Fulminantes Finale „CHIO 2021“

Im Sattel von Killer Queen gelang Daniel Deußer ein fehlerfreier Ritt und Sieg im Rolex Grand Prix der Springreiter, haarscharf flotter als das neue Talent aus den USA Brian Moggre. Auf Platz 3 landete Gregory Wathelet aus Belgien. Foto: Marcel Matthias Köpper

Üblicherweise findet das CHIO Aachen – Weltfest des Pferdesports – vor Olympia statt. Diesmal danach. Es ging zwar nicht um Medaillen wie in Tokio, aber um „Horsemanship“. Und um rund 3,3 Millionen Euro, die verteilt wurden. Deutsche Siege zum Schluss ließen richtig Freude aufkommen.

In Aachen fand ein Turnier statt, das in Corona-Zeiten Maßstäbe gesetzt hat. Das reiterliche Können, das Wetter und die gute Organisation bescherten Momente, in denen die Stadien bis zu 50 Prozent gefüllt werden durften. Schon vor dem Abschlusstag war das Gelände gut besucht, auf dem deutsche Teilnehmer:Innen am Ende große Preise abräumten. Isabell Werth in der Dressur und Daniel Deußer im Springen siegten bei schönstem Spätsommerwetter vor einer Kulisse, die alle teilnehmenden Nationen mit weißen Tüchern wieder wedelnd verabschiedeten. Dieses Gefühl für alle Teilnehmer gibt es nur beim „Tschio“.

Die erfolgreichste Reiterin der Welt ist Isabell Werth, mit Quantaz hat sie alle überrascht und die Dressur in Aachen gewonnen.

Alle, die gekommen sind, gewinnen. Es sind die Gänsehautmomente, die vor Publikum stattfinden durften. Mal ist es ein Sieg deutscher Reiter:Innen, Voltigierer, in der herausragenden Dressur, mal die Equipe aus den USA im Preis der Nationen. Great guys, ein tolles Team u.a. mit Jessica Springsteen, Laura Kraut und dem hochtalentierten Youngster Brian Moggre – ein Publikumsliebling wie die Tochter die Tochter von Bruce Springsteen. Isabell Werth und Daniel Deußer haben das Publikum mehr als erfreut, auch wenn nur (zuletzt) 50 Prozent der Zuschauer auf den Sitzplätzen teilnehmen durften. In Aachen werden immer Pferde und Reiter:Innen mit Applaus belohnt, die sich und ihre Vierbeiner rechtzeitig auch nach Fehlern herausnehmen. So wie Marcus Ehning, der zuvor gestürzt, sich mit seinem früheren Erfolgspferd genannt „Toutou“ vor Publikum mit großem Applaus vor den Fans verabschiedete.

„160 Jahre deutsch-japanische Freundschaft“ lautete das Motto des Partnerlandes Japan. Springreiter Daisuke Fukushima, der in Tokio den stolzen 6. Platz bei den Olympischen Spielen im Land der aufgehenden Sonne erzielte, war begeistert, in der Soers teilzunehmen. Die reiterliche Ausbildung für große Turniere hat er bei Altmeister und Legende Paul Schockemöhle seit rund 4 Jahren gelernt. „Erfolge im Reitsport kann man nur auf lange Sicht erreichen“, dazu gehörten immer Pferd und Reiter für den Spitzensport, sagte der Reiter, der seinen 44. Geburtstag in Aachen feierte.

Daisuke Fukushima: Springreiter mit Ambitionen und „Botschafter“ des Partnerlandes Japan auf dem CHIO 2021 in Aachen.

Daniel Deußer war „einfach nur happy“, sich als Springreiter endlich als Sieger auch in die Annalen des CHIOs eintragen zu lassen. Die erfolgreichste Reiterin der Welt ist Isabell Werth. Medaillen und unzählige Preise, zur Überraschung vieler auch mit ihrem jungen Pferd „Quantaz“ in der Dressur in Aachen, hat sie eingeheimst. Die Dressur-Mannschaft holte sich zudem den Lambertz-Cup.

Nach dem CHIO 2021 ist vor dem nächsten Turnier, 365 Tage lang. Der CHIO-Campus setzt auf Neuland, betonte Michael Mronz, Chef der Aachener Reitturnier GmbH. Ein neues Stadion soll gebaut werden, „als Akademie für Spitzen- und Breitensport in der Soers“, sagte die Präsidentin des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennverein e.V. (ALRV), Stefanie Peters. An allen Strängen werden Strippen gezogen, um ein Kompetenzzentrum rund um den Pferdesport auszubauen. Die Basis dafür gibt es längst. Wir berichten weiter über die Bauprojekte und die Förderung junger Talente.

Frank Fäller

Die Vierspänner sind immer Zugpferde, im doppelten Sinn: Für das Publikum und die Fahrer.

Alle Fotos: © Marcel Matthias Köpper