Überlebenskünstler Mensch

Ein Beispiel für die Eroberung der Welt durch den Menschen ist ein Nachbau eines Auslegerkanus von den Marshallinseln. Foto: LWL/Puschmann

LWL-Museum für Naturkunde in Münster eröffnet neue Sonderausstellung

In seiner 300.000-jährigen Geschichte hat der moderne Mensch eines bewiesen: Er ist ein Überlebenskünstler. Bis zum 26. September zeigt das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Sonderausstellung „Überlebenskünstler Mensch“. Es ist bisher die deutschlandweit umfassendste Darstellung zum Thema Mensch. Die drei Ausstellungsmacherinnen Lisa Klepfer, Dr. Ramona Dölling und Dr. Hanna Rüschhoff spannen einen Bogen von den Anfängen des Homo sapiens als Jäger und Sammlerin bis hin zur möglichen Besiedlung des Mars durch die Menschheit. Nachzuspüren ist der Gang durch die Menschheitsgeschichte auf 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit über 1.000 Exponaten.

Vielfältige Themen für eine vielfältige Spezies

Die Ausstellung wird getragen durch vier Leitfragen. Was macht uns aus? Wo kommen wir her? Wie haben wir uns ausgebreitet? Wohin gehen wir? Um diese Fragen zu beantworten, sollen die Kerneigenschaften des Menschen beleuchtet werden, wie die Sprache oder Spiritualität. Viele Originalobjekte in der Ausstellung dienen als Zeugen dieser Entwicklung, wie zum Beispiel ein Original-Kompass, den der berühmte Polarforscher Robert Falcon Scott auf seiner Antarktis-Expedition eingesetzt hat. Der Kompass ist das Symbol für Entdeckergeist und Aufbruch in unbekannte Welten. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört eine geologische Probe, die der Forscher Alexander von Humboldt von seinen Expeditionen mitgebracht hat. Und die älteste Schrift der Menschheit wird gezeigt: eine Schrifttafel aus dem mesopotamischen Uruk.
Es geht auch um die Herkunft des Menschen und um seine Verwandtschaft im Stammbaum der Primaten. So thematisiert die Ausstellung die Forschung in vergleichender Anatomie, die bereits der Gründer des LWL-Museums, Prof. Hermann Landois, betrieben hat. Er stand seinerzeit mit dem berühmten Evolutionsbiologen Charles Darwin in regem Austausch. In einer der 13 Inszenierungen ist deshalb das Arbeitszimmer Landois‘ mit Skeletten von Mensch und Gorilla zu sehen, die schon der Professor zu Lehrzwecken eingesetzt hat.

Theatergleiche Inszenierungen von Lebensräumen warten auf die Museumsgäste. Eine Museumsmalerin hat eigens die Hintergründe der Landschaften für die Ausstellung gemalt. Foto: LWL/Steinweg

Versuch und Irrtum der Menschwerdung

„Im Laufe der Evolution des Menschen lebten verschiedene Arten von Menschen auf der Erde. Einige existierten sogar zeitgleich. Bis auf Homo sapiens, dem modernen Menschen, sind alle anderen jedoch ausgestorben“, so Lisa Klepfer, die Kuratorin im LWL-Museum für Naturkunde. Die Verwandtschaft der einzelnen Arten sei bis heute nicht abschließend geklärt, denn jeder neue archäologische Fund bringe neue Erkenntnisse mit sich.
Das Thema der menschlichen Evolution wird in der Ausstellung durch die Präsentation von sieben Köpfen nähergebracht. Die ausdrucksstarken, individuellen Gesichter der Büsten sind handwerklich anspruchsvolle Unikate und folgen den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ein Beispiel für die Eroberung der Welt durch den Menschen ist ein Nachbau eines Auslegerkanus von den Marshallinseln. Foto: LWL/Puschmann

Vom Kanu aus  die Welt entdecken

Sechs große Inszenierungen verdeutlichen in einem Ausstellungssaal die Ausbreitung der Menschheit in jeden Winkel der Erde und darüber hinaus: in die Wüste, den Weltraum, die Südsee, die Arktis und Antarktis, die Tiefsee und in den Regenwald. Ausstellungsmacherin Hanna Rüschoff: „Es gibt kaum einen Lebensraum, in den der Mensch noch nicht vorgedrungen ist – oft mit auf den ersten Blick eher unscheinbaren Hilfsmitteln.“ Ein Beispiel dafür ist ein rund 1,60 Meter mal ein Meter großer Nachbau eines Auslegerkanus von den Marshallinseln. Das Kanu mit seinem daran befestigten Schwimmer steht für die beeindruckenden Segelkünste der Seefahrerkulturen der Südsee. „Es ist kein großes Schiff wie das von Columbus, sondern ein kleines Boot, den Gewalten des Meeres trotzend, von Menschen gesteuert, die unter Einsatz ihres Lebens aufbrachen, um neue Lebensräume zu finden. Es zeugt vom Entdeckerdrang der Menschen“, so die Biologin.

Sonnenkompass hergestellt und verwendet während der British Antarctic Expedition (Terra Nova) 1910-13.Foto: (c) Scott Polar Research Institute

Virtual Reality erstmals im Museum

Erstmals werden im Museum Virtual-Reality-Brillen in eine Ausstellung integriert. „Die virtuelle Welt eröffnet uns Möglichkeiten, von denen wir noch vor 20 Jahren nicht zu träumen gewagt hätten“, sagt die Kuratorin Ramona Dölling. „Mit der VR-Brille versetzen wir unsere Gäste auf den Mars, wo sie die Landschaft erkunden und eine Marskolonie entdecken können“. pk