Es muss nicht immer Glyphosat sein

Die Projektbeteiligten neben dem Schienenfahrzeug auf der Bahnstrecke „Miljoenelijn“ bei Vetschau nahe der niederländischen Grenze. Foto: Andreas Schmitter

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RWTH forscht erfolgreich an Alternativen zum Einsatz von Herbiziden an Bahngleisen – Ergebnisse mit Live-Demonstration vorgestellt.

Im Auftrag des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt (DZSF) haben die Institute für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme (IfS) und für Pflanzenphysiologie (iPP) der RWTH Aachen an Alternativen zum Einsatz von Pflanzengiften wie Glyphosat an Gleisanlagen geforscht. Und das sehr erfolgreich – eine Kombination aus drei verschiedenen Verfahren stellten die Forschenden am Donnerstagvormittag vor.

Schindler
Prof. Christian Schindler, Leitung IFS | Quelle

Es zischt, rattert und klappert, wenn das Versuchsfahrzeug mit bis zu 20 Stundenkilometern über die Gleise fährt. Ein alter Unimog, erweitert um Gleisräder, zieht den Anhänger – Geräteträger nennen das die Fachleute – über die Versuchsstrecke „Miljoenelijn“ bei Vetschau nahe der niederländischen Grenze. Das entwickelte Verfahren vereint die drei Einzelmethoden maschinelles Jäten, den Einsatz von Strom und den eines harten Wasserstrahls.

Beim maschinellen Jäten werden die Pflanzen in und am Gleisbett mittels gegenläufig rotierender Walzen erfasst und ausgerissen.

Aileen Schulte-Marxloh
Aileen Schulte-Marxloh, Scientist iPP | Quelle

Beim Einsatz von Strom, auch „Electro Weeding“ genannt, wird die Zellmembran der Pflanzen durch Strom – der mittels herunterhängender Blechlamellen fließt – so geschädigt, dass sie absterben. Und um auch direkt an der Schiene Pflanzen entfernen zu können, wird ein harter mit etwas Sand versetzter Wasserstrahl eingesetzt. „Ursprünglich“, erläutert IfS-Leiter Professor Christian Schindler, „wollten wir erforschen, welche der 18 Einzelmethoden am besten geeignet sei, die umstrittenen Chemikalien bei der Pflanzenbekämpfung zu ersetzen.“

Die Erkenntnis: Alle Methoden funktionieren durchaus auch einzeln, „aber in der Kombination dieser drei Methoden haben wir die beste Wirkung nachweisen können“, so Aileen Schulte-Marxloh vom iPP.

Prof. Uwe Conrath
Prof. Uwe Conrath, Leiter Institut Pflanzenphysiologie RWTH | Quelle

Die Feinde eines reibungslosen Schienenverkehrs heißen Schafgarbe und Beifuß, Storchenschnabel, Gundermann oder Wiesen-Bärenklau. Und es ist durchaus von Bedeutung, welches Kraut im Gleisbett wuchert:Kräuter wie den Storchenschnabel kann man problemlos entfernen, bei einer tief wurzelnden Brombeere, die zudem überaus lange Fasern hat, oder verholzten Pflanzen braucht es schon komplexere Lösungen“, erläutert Professor Uwe Conrath, Leiter des Instituts für Pflanzenphysiologie an der RWTH. Eine solch‘ komplexe Lösung stellten die Forschenden nun gemeinsam mit ihren Partnern aus der Industrie (crop.zone GmbH und HydroMill GmbH aus Aachen sowie der LBBZ GmbH aus Geilenkirchen) vor.

Eckhard Roll, Direktor Des Dzsf
Eckhard Roll, Direktor DZSF | Quelle: DZSF

„Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, sagte DZSF-Direktor Eckhard Roll. Er sieht Einsatzmöglichkeiten nicht nur bei der Deutschen Bahn und den vielen privaten Bahnen in Deutschland, „auch aus der Schweiz, Österreich und Frankreich gibt es bereits Anfragen zu dem Projekt.“ Mit drei Millionen Euro hat das Bundesministerium für Digitales und Verkehr das Forschungsprojekt gefördert. Die Deutsche Bahn AG verzichtet nach eigenen Angaben bereits auf den Einsatz von Glyphosat und möchte schnellstmöglich komplett ohne Herbizid-Einsatz auskommen. „Denn dieser ist nicht nur grundsätzlich genehmigungspflichtig, sondern mitunter, beispielsweise in Schutzgebieten, komplett verboten“, erläutert DZSF-Projektleiterin Sabrina Michael. So besteht dringender Handlungsbedarf, „mit dem heutigen Tag sind wir einen großen Schritt weiter“, so Eckhard Roll.