Museum Folkwang präsentiert Programm 2021:

Museum Folkwang , Ansicht Eingangsbereich. Foto: Giorgio Pastore.

Essen. Das Museum Folkwang beginnt das Ausstellungsjahr 2021 mit einer Doppelausstellung zu Martin Kippenberger (7. Februar bis 2. Mai). Orte sind die große Ausstellungshalle und die Villa Hügel.

Schwerpunktthema des kommenden Ausstellungsjahres ist Fotografie, Film und Tanz. Während die monografischen Ausstellungen zu Timm Rautert und Tobias Zielony zwei Generationen der künstlerischen Fotografie aus Deutschland vorstellen, taucht die große Überblicksschau Global Groove in die Geschichte des Kontakts zwischen fernöstlichen und westlichen Kulturen in Kunst, Tanz und Performance ein. Mit Federico Fellini zeigt das Museum im Herbst/Winter, wie sehr das filmische Werk des berühmten italienischen Regisseurs durch die Zeichnung inspiriert wurde. Als Prolog zu den Jubiläumsaktivitäten in 2022 startet das Museum Folkwang im Frühjahr 2021 das Outreach-Projekt Folkwang und die Stadt, bei dem die Kooperation mit unterschiedlichen Essener Initiativen und Gemeinschaften im Fokus steht.

Doppelausstellung zu Martin Kippenberger

Das Ausstellungsjahr beginnt, wie erwähnt mit der Doppelausstellung zu Martin Kippenberger. Kippenberger, der in Essen als Sohn des Bergwerkdirektors der Zeche Katharina aufwuchs, besticht in seiner Kunst mit selbstironischem Witz und analytischer Schärfe. Sein spätes Hauptwerk „The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika“– eine Großinstallation in den Ausmaßen eines Sportplatzes – wird erstmals in Essen in den vom Künstler entwickelten Dimensionen gezeigt. „Das Opus Magnum, in das Kippenberger zahlreiche Werke befreundeter Künstlerinnen und Künstler integrierte,“ wie es dazu im Ausstellungstext heißt, basiert auf dem Schlusskapitel des Romanfragments „Der Verschollene / Amerika“ von Franz Kafka.“ Die literarische Vision übersetzte Kippenberger in ein dreidimensionales Bild, das Arena und Ausstellung zugleich ist. „Insgesamt 50 Tisch-Stuhl-Ensembles – teils Ikonen der Möbeldesigns, teils Fundstücke, teils Kunstobjekte – imaginieren einen kafkaesken Kommunikationsraum als Schauplatz von massenhaften, gleichzeitig stattfindenden Einstellungsgesprächen. Thematisiert wird die Erfahrung des Einzelnen, einer fremden und befremdenden Gesellschaft gegenüberzustehen und sich behaupten zu müssen.“

Plakate in der Villa Hügel

Parallel werden in der Villa Hügel die Künstlerbücher und Plakate Martin Kippenbergers aus der Sammlung des Museum Folkwang zu sehen sein. In Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel stehen die experimentellen und mitunter provokativen Büchern in wirkungsvollem Kontrast zu den klassischen Buchbeständen der Familie Krupp. Die Präsentation der Plakate in den ehemaligen Wohnräumen im 1. Obergeschoss richtet den Blick auf die unterschiedlichen Formen der Selbstinszenierung Kippenbergers sowie auf seine Stellung im Netzwerk mit befreundeten Künstlerinnen und Künstlern.

Retrospektive für Timm Rautert

Zum 80. Geburtstag widmet das Museum Folkwang Timm Rautert eine umfassende Retrospektive, die 50 Jahre seines künstlerischen Schaffens präsentiert. Timm Rautert und die Leben der Fotografie (19. Februar – 16. Mai 2021) veranschaulicht anhand von rund 350 Arbeiten die thematische und methodische Vielfalt des Fotografen. Die Schau reicht von den experimentellen Anfängen als Student bei Otto Steinert, der „Bildanalytischen Photographie“ der 1970er Jahre, seiner journalistischen Tätigkeit, bis hin zu den künstlerisch-theoretischen Bildformungen, die während seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entstanden sind. Mit Tobias Zielony. The Fall (25. Juni – 26. September) wird einer der interessantesten Fotografen der Gegenwart gewürdigt. Die Werkschau ist nach 20 Jahren künstlerischen Schaffens die erste Überblicksausstellung des 1973 in Wuppertal geborenen Foto- und Videokünstlers Tobias Zielony. In seinen Arbeiten setzt er sich mit dem Begriff der Jugendkultur in Bezug auf Herkunft, Repräsentation und Mode sowie der medialen Selbstdarstellung auseinander.

Happenings japanischer Butoh-Tänzer

Die interdisziplinäre Überblicksschau Global Groove. Kunst, Tanz, Performance und Protest (13. August – 14. November) erforscht Tanz als Kommunikationsform. Die zahlreichen Leihgaben, darunter Fotografien, Gemälde, Skulpturen, Filme, und Live-Aktionen verdeutlichen, welchen Anteil die Sprache des Tanzes an der politischen und kulturellen Transformation von Gesellschaften hat: von zeitgenössischen Kollaborationen über die ersten Happenings der japanischen Butoh-Tänzer und die Pionier*innen der Tanzmoderne wird eine Kulturgeschichte des Kontakts zwischen West und Fernost zurück bis zu den frühen Auftritten asiatischer Tänzer*innen in Europa um 1900 verfolgt.

Würdigung an den Regisseur Federico Fellini

Die Ausstellung „Federico Fellini. Von der Zeichnung zum Film“ (12. November – 20. Februar 2022) präsentiert einen der bedeutendsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Mit Produktionen wie „La Dolce Vita“, „Satyricon“ oder „Die Stadt der Frauen“ schrieb er Filmgeschichte. Bei der Konzeption seiner Filme zeichnete Fellini regelmäßig, um Figuren oder Szenen zu entwickeln. Am Beispiel ausgewählter Filme stellt die Ausstellung die Zeichnungen den realisierten Szenen gegenüber und taucht so in die faszinierenden Bildwelten und den einzigartigen Schaffensprozess des Regisseurs ein.

Vor Ort künstlerische Gemeinschaftsprojekte

Als Prolog zu den Jubiläumsaktivitäten 2022 startet das Museum im Frühjahr 2021 das Projekt Folkwang und die Stadt (29. April – 30. Mai 2021). Dazu Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang: Gemeinsam mit Essener Initiativen, Vereinen, Communities, Aktivisten und Entscheidungsträgern in der Stadt stellt sich das Haus wichtigen Zukunftsfragen zu alternativen Lebensformen, Parallelwelten, der Entwicklung urbaner Räume oder dem Klimawandel. Rundgänge, Bustouren und Tagesprogramme führen in 2021 zu verschiedensten Orten, um das urbane Territorium in vielfältigen Facetten zu ergründen. Im Jahr 2022 entstehen aus den Begegnungen mit den Menschen vor Ort künstlerische Gemeinschaftsprojekte. Im kommenden Jahr wird zudem das Artist in Residence-Programm Neue Folkwang Residence in Kooperation mit dem Neuen Essener Kunstverein an den Start gehen. Das Programm vergibt jährlich zwei Stipendien an nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler. Die Dauer des Programms beläuft sich auf einen Zeitraum von jeweils fünf Monaten, Residenzort ist Essen. pk

Martin Kippenberger, 1994 inmitten seiner Stuhl-Installation.
Foto. Cees Kuiper.