„Karin Kneffel. Come in, Look out!“ im Museum Küppersmühle Duisburg

Ohne Titel 2001, Öl auf Leinwand, 00 x 300 cm © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Duisburg. Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) in Duisburg zeigt vom 24. Mai bis zum 01. September eine Werkschau der deutschen Künstlerin Karin Kneffel. Mit über 70 Gemälden und einer Serie von Aquarellen offenbart die von Kay Heymer kuratierte Ausstellung ungewohnte architektonische Bezüge in Kneffels Arbeiten sowie ihren vielschichtigen Umgang mit dem zentralperspektivischen Blick in der Malerei. 

Bild 1 Trauben
Ohne Titel, 1998, Öl auf Leinwand 300 x 200 cm © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Verführerische Bilder

Die verführerischen Bilder von Karin Kneffel zeigen die Welt, gesehen durch eine Glasscheibe. Ihre Bildwelt ist vertraut und gleichzeitig rätselhaft. Sie zeigt extrem vergrößerte Stillleben, Innenräume, Landschaften und Architekturen, die durch Spiegelungen und beschlagene Scheiben nur schemenhaft sichtbar sind. Reflektierende Oberflächen oder Wassertropfen verzerren den Blick der Betrachtenden und hinterlassen ein Gefühl der Ungewissheit.

Bild 3 Tropfen
Ohne Titel, 2009, Öl auf Leinwand, 3 Teile, 80 x 520 cm © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Realistische Schärfe

Trotz ihrer Unwirklichkeit demonstrieren Kneffels Bilder eine realistische Schärfe. Der präzise Umgang mit der Zentralperspektive ermöglicht dabei, komplexe visuelle Ebenen und Blickwinkel zu erforschen. Dabei überbietet sie den  „Kamerablick“ mit malerischen Mitteln und lässt immersive Szenen entstehen. Ihre Bilder sind Ausdruck eines Wechselspiels zwischen Naturalismus und Künstlichkeit und stellen die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum, zwischen Realität und Abbild in Frage.

Bild 5 Traube Und Figur
Ohne Titel, 2023, Öl auf Leinwand, 2 Teile, ja 100 x 70 cm, © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Frühe Arbeiten

In ihren frühen Arbeiten präsentiert Karin Kneffel Gegenstände in extremer Vergrößerung mit einem ausgesprochenen Maß an Detailgenauigkeit. Die Isolierung ihrer Motive ist eine Methode, die an Prinzipien der Klassischen Moderne anknüpft. Die Künstlerin steigert so die Wirkmächtigkeit und Präsenz des Gezeigten, vergleichbar dem Fotorealismus der 1970er-Jahre. In der weiteren Entwicklung nehmen ihre Arbeiten vor allem Interieurs und Architekturen in den Fokus, indem sie das Wechselspiel zwischen Raum und Oberfläche, zwischen Realität und Illusion vertiefen.

Bild 6 Haus
Ohne Titel, 2021, Öl auf Leinwand, 180 x 150 cm, © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Neueste Werke

Ihre neuesten Werke markieren eine bedeutende Entwicklung in Kneffels Arbeiten, da sie sich zum ersten Mal intensiv mit der europäischen Porträtmalerei auseinandersetzt. In dieser Serie widmet sie sich der Darstellung von historischen polychromen Holzfiguren, insbesondere solchen, die die Jungfrau Maria und das Jesuskind aus dem 15. und 16. Jahrhundert darstellen. Diese Figuren werden in beeindruckender Detailtreue wiedergegeben. Die Gesichtszüge und menschlichen Aspekte stehen im Mittelpunkt, während religiöse Attribute wie Schleier oder Heiligenscheine entfernt wurden.  So arbeitet sie universelle Bedeutungsschichten dieser ursprünglich religiösen Skulpturen heraus und verweist auf ihre aktuelle Relevanz.

Bild 7 Zwei Gesichter
Ohne Titel, 2021, Diptychon, je , 120 x 100 cm, © Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Variantenreiche Darstellungsmittel

Mit ihren variantenreichen Darstellungsmitteln schafft Karin Kneffel eine Mehrdimensionalität in ihren Werken, welche Betrachtende dazu einladen, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu hinterfragen. Die Malerei wird dabei einerseits als Fenster zu einer sorgfältig konstruierten Welt lesbar und wirkt andererseits als Spiegel, der die Konstruktion der Realität selbst reflektiert.

Bild 8 Hund
Ohne Titel, 2021, 60 x 80 cm, ©Karin Kneffel / VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Die Duisburger Ausstellung spannt einen Bogen von persönlichen Beobachtungen bis hin zu kunsthistorischen Inspirationsquellen. pk