Bottrop. Mit der großen Ausstellung „Josef Albers. Huldigung an das Quadrat“ (19. Oktober bis 26. Februar 2023) eröffnet das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop seinen Erweiterungsbau. Die Ausstellung mit zahlreichen hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen würdigt den 1888 in Bottrop geborenen Josef Albers als einen der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Den Neubau entwarf das Schweizer Architekturbüro „Gigon/Guyer“. Die neue räumliche Lösung ermöglicht es dem 1976 eröffneten Bottroper Museum erstmals, zeitgleich Sonderschauen und die Sammlung von Josef Albers zu zeigen.

Rund 2000 Ölgemälde
Josef Albers berühmte Serie „Homage to the Square“ umfasst rund zweitausend Ölgemälde, auf denen durch die einfache Form des Quadrats die Komposition in den Hintergrund tritt und den Farben die Bühne überlässt – eine Hommage an Form und Farbe. Die Sonderausstellung „Josef Albers. Huldigung an das Quadrat“ widmet sich ganz diesem außergewöhnlichen Werkzyklus, an dem Albers (1888 in Bottrop – 1976 in New Haven, Connecticut) seit 1950 bis zu seinem Tod arbeitete. Die Huldigungen wurden zu seinem Markenzeichen. In Bottrop werden ab Herbst rund 90 künstlerisch herausragende Beispiele in acht Ausstellungskapiteln zu sehen sein. Ergänzt wird die Auswahl durch weitere wichtige Werke von Paul Cézanne („Der Steinbruch Bibémus“ aus dem Museum Folkwang), Giorgio Morandi, Ad Reinhardt und Donald Judd – Künstler, deren Werk eng mit dem von Josef Albers verbunden ist.

„Eine Kunst, die neu zu sehen lehrt“
„In visueller Wahrnehmung wird eine Farbe beinahe niemals als das gesehen, was sie wirklich ist, das heißt als das, was sie physikalisch ist. Dadurch wird die Farbe zum relativsten Mittel der Kunst. Wir sehen also keine Farbe als sie selbst, sondern jede zeigt sich immer im Austausch mit anderen.“ Diese Erkenntnis machte Josef Albers zur Grundlage seiner Quadrat-Serie, wobei es dem Publikum obliegt, die Beziehung der Farben zueinander bei der Betrachtung in Bewegung zu setzen. Heinz Liesbrock, Direktor des Josef Albers Museums Quadrat Bottrop und Kurator der Ausstellung: „Josef Albers steht für eine Kunst, die neu zu sehen lehrt. Lange wurde sein Ruf als überragender Künstler überdeckt von seiner Berühmtheit als Lehrer, der seine Anfänge am Bauhaus hatte. In den 60er Jahren änderte sich diese Sichtweise durch eine neue Wertschätzung, die von jüngeren amerikanischen Künstlerinnen und Künstlern der späteren Minimal- oder Konzeptkunst ausging, wie etwa Donald Judd, Agnes Martin, Ad Reinhardt oder Frank Stella. Insbesondere die Bildserie „Homage to the Square“ war für sie ein Ausgangspunkt in ihrer Suche nach einer künstlerischen Sprache, die sachlich, reduziert und reflektiert sein sollte.“

Genuine Sprache der Malerei
Zu sehen sind Werke aus verschiedenen Jahrzehnten, die die Entwicklungsstadien dieser für die Kunst nach 1945 zentralen Werkserie nachzeichnen: Werke von Albers aus der Vorgeschichte von „Homage to the Square“ aus den 1940er Jahren, das erste „Homage“ aus dem Sommer 1950 sowie Arbeiten aus den folgenden 25 Jahren bis zum Tod des Künstlers. So wird deutlich, wie sich über die Jahre Albers Empfinden für die Farbe und sein konkreter Umgang mit der Stofflichkeit der Farbe verändert. Es zeigt sich die Entwicklung einer genuinen Sprache der Malerei, unabhängig von allen Ismen. Die neue Dauerausstellung mit Werken von Josef Albers, die im angestammten, 1983 eröffneten Museumsgebäude gezeigt wird, eröffnet zeitgleich im Oktober 2022. Sie wird im besonderen Albers Arbeit am Bauhaus, seine Begegnung mit der alten, präkolumbischen Kunst Mexikos und seinen berühmten Farbkurs, den er als Lehrer in den USA entwickelte, vorstellen. pk