Ausstellungsprogramm Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach

Aussenansicht Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach. Foto: Peter Köster

Bergisch Gladbach. Nach ihrer erfolgreichen Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl – das Haus zeigte 2018/2019 eine umfangreiche Retrospektive von Ruth Marten – kehrt diese nun erneut ins Rheinland zurück. Das Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach zeigt die amerikanische Ikone mit einer Soloausstellung. Titel: „All about Eve“.

Neuer Blick auf Kunstwerke

Ruth Marten ist Teil des von Mai bis Dezember gezeigten Ausstellungsprogramms, das die neue Leiterin des Museums, Ina Dinter, im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellte. Den Startschuss liefert die Kabinett-Ausstellung „Honig für Kunst und Gesellschaft. Bienen und ihre Produkte in Werken von Joseph Beuys, Hede Bühl, Felix Droese“ u.a. Die Schau wirft einen neuen Blick auf Kunstwerke vergangener Jahrzehnte, in denen besagte Bienen, Wachs und Honig zum Thema werden. Kurator der Kabinett-Ausstellung, die vom 13. Juli bis 27. Oktober gezeigt wird, ist Hartmut Kraft.

Premiere für Jenny Michel

Eine Premiere als Solokünstlerin in Nordrhein-Westfalen (davor war sie u.a. sehr erfolgreich im Kunstmuseum Museum Wiesbaden), feiert Jenny Michel (*1975) mit ihrer Ausstellung „Soft Ruins“, kuratiert von Ina Dinter. Michel vereinigt in ihrer Arbeit Objekte, Zeichnungen, Fotografien, Texte und Sound zu komplexen Werkreihen, die einen vielschichtigen inhaltlichen Hintergrund von philosophisch-wissenschaftlichen Betrachtungen und davon ausgehenden, weiterentwickelten Theorien besitzen. Die Künstlerin, die in Berlin lebt und arbeitet, hat sich den Materialien Papier und Holz verschrieben, die von hoher haptischer Qualität sind. Scheinbar Alltägliches und Abfall werden zum Baustoff ihrer künstlerischen Manifestationen. „Soft Ruins“ wird vom 27. Juli bis zum 10. November im 02. Obergeschoss gezeigt.

Ina Dinter
Ina Dinter, neue Leiterin und Kuratorin des Kunstmuseums Villa Zanders. Foto: Peter Köster

Würdigung für Michael Buthe

Ab dem 16 November würdigt die Villa Michael Buthe mit der Ausstellung „Michael Buthe 80/30 – Arbeiten mit und auf Papier“. Die von Ina Dinter kuratierte Kabinett-Ausstellung nimmt Michael Buthe (1944 bis 1994) 80. Geburtstag und 30. Todestag in diesem Jahr zum Anlass für eine  Erinnerung an den Künstler, der nicht nur in der Region für seine Gemälde, Skulpturen, Collagen und Texte bekannt ist. So zeigte ihn beispielsweise das Haus der Kunst in München 2016 mit einer umfangreichen Retrospektive. Buthe kannte keine Berührungsängste: Ausgehend vom deutschen Informel und der amerikanischen Minimal Art begeisterte er sich für außereuropäische Kulturen und setzte dem kühlen Konzept des Minimalismus ausgeprägte Sinnlichkeit entgegen und stellte humorvoll die Frage nach dem Wert von Spiritualität in einer säkularen Gesellschaft. Obwohl Zeitgenosse des Wandels von der Industrie- zur Informationsgesellschaft griff er wie Joseph Beuys und die Künstler der italienischen Arte Povera bewusst auf die sinnliche Fülle armer und natürlicher Materialien zurück. Zahlreiche Plastiken veränderte der Künstler für neue Ausstellungskontexte. Michael Buthe lebte in einer Künstlergemeinschaft im alten Kraftwerk in einem ehemaligen Umspannwerk der Kölner Verkehrsbetriebe in Köln-Ostheim, zusammen mit dem Schauspieler Udo Kier und dem Videokünstler Marcel Odenbach.

Als Tätowiererin begonnen

Wie eingangs erwähnt, zeigt die Villa Zanders eine Ausstellung mit der amerikanischen Künstlerin Ruth Marten (*1949). Die in New York City geborene und dort lebende Künstlerin begann 1972 als eine der ersten Frauen in der Tattoo-Szene der amerikanischen Untergrundbewegung. 1977 tätowierte Ruth Marten im Musée National d’Art. Danach war sie als Illustratorin für diverse Verlage und Magazine tätig. Ihre aktuelle Werkserie „All about Eve“ basiert auf einem Portfolio mit 100 Heliograwüren (Vorläufertechnik des modernen Tiefdrucks) des Fotografen Laryew (163-1929) von 1923. Eigentlich bekannt geworden aber ist Ruth Marten durch ihre überraschenden, witzigen und subversiven Bearbeitungen alter Drucke. „All about Eve“ wird ab dem 1. Dezember im 2. Obergeschoss gezeigt. Kuratiert von Ina Dinter.

Kunst aus Papier

Neben der Kunstvermittlung ist „Kunst aus Papier“ eines der Schwerpunktthemen der Villa Zanders. Die ab dem 22. September beginnende Ausstellung „Paper/Elements“, gemeinsam kuratiert von Ina Dinter und Sabine Majer, widmet sich den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft und lenkt gleichzeitig den Fokus auf die Sammlung „Kunst aus Papier“. Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Hauses zeigt Arbeiten von annähernd 40 Künstlerinnen und Künstler aus der Sammlung „Kunst aus Papier“, wie von Mary Bauermeister, John Cage, Günther Uecker, Robert Rauschenberg, Tina Haase, Jenny Holzer, Oskar Holweck. Insgesamt umfasst die Sammlung ca. 600 Werke.

Peter Köster