“Die Bestie des Krieges – Naive Kunst aus der Ukraine”, 07. September 2023 – 25. Februar 2024, open art museum, St. Gallen

Ausstellungsplakat open art museum. Quelle: open art museum


open art museumDie Bestie des Krieges – Naive Kunst aus der Ukraine, mit einer Werkgruppe der berühmten Malerin Maria Prymachenko, 07. September 2023 – 25. Februar 2024, open art museum, St. Gallen

Vernissage: Mittwoch, 06. September 2023, 18.30 Uhr, mit der Botschafterin der Ukraine in der Schweiz und FL Iryna Venediktova, Fabienne Baraga vom Bundesamt für Kultur BAK und Lidia Lykhach, RODOVID-Gallery, Kyiv

Mit dem Angriff auf die Ukraine ist neben entsetzlichen menschlichen Verlusten und Kriegsgräueln auch das kulturelle Erbe des Landes bedroht. Baudenkmäler sowie Museen und ihre dort bewahrten Kulturgüter werden beschädigt oder zerstört. So geschah es Gemälden der berühmten ukrainischen naiven Künstlerin Maria Prymachenko (1909–1997) bereits am zweiten Tag der russischen Invasion. International bieten Museen ihre Unterstützung an, Kulturgüter der Ukraine zu schützen.

Naive Kunst ist im wörtlichen Sinne Volks-Kunst und besitzt eine starke identitätsstiftende Kraft für die Kulturgeschichte des Landes. Die Ausstellung klassischer Naiver Kunst aus der Ukraine mit rund 50 Werken von 23 KünstlerInnen im open art museum, unter der kuratorischen Leitung von Lidia Lykhach, RODOVID-Gallery, Kyiv, ist die erste in der Schweiz. Im Zentrum steht eine Werkgruppe von Maria Prymachenko mit dem Gemälde The Beast of War. Begleitet von einem Katalog in ukrainischer, englischer und erstmals deutscher Sprache.

Internationaler Kulturgüterschutz Ukraine

Mit dem Angriff auf die Ukraine ist neben entsetzlichen menschlichen Verlusten auch das kulturelle Erbe des Landes bedroht. Baudenkmäler sowie Museen und ihre dort bewahrten Kulturgüter werden beschädigt oder zerstört. So geschah es Gemälden der berühmten ukrainischen naiven Künstlerin Maria Prymachenko (1909–1997) bereits am zweiten Tag der russischen Invasion. Die UNESCO drückte offiziell ihre Betroffenheit aus, sie hatte das Jahr 2009 zum Jahr Maria Prymachenkos ernannt anlässlich deren 100sten Geburtstages. In aller Eile wurde ein Werk der Künstlerin in die Hauptausstellung der Biennale Venedig aufgenommen. Ihre Friedenstaube Dove Has Spread Her Wings and Asks for Peace wurde schnell zum Inbegriff der Friedenshoffnung und auf verschiedenen Internetplattformen und Social Media geteilt. Berühmt sind auch ihre fantastischen Bestien, mit denen Maria Prymachenko den Krieg anprangert.

Bewegliche Kulturgüter sind zudem Diebstahl und Plünderung ausgesetzt. Die Ukraine wird so ihrer kulturellen Identität beraubt. International bieten Museen ihre Unterstützung an, Kulturgüter der Ukraine zu schützen und ihre Bedeutung der Öffentlichkeit zu vermitteln. Naive Kunst hat in der Ukraine eine hohe Bedeutung. Sie ist im wörtlichen Sinne Volks-Kunst und besitzt eine starke identitätsstiftende Kraft für die Kulturgeschichte des Landes. Ukrainische Naive Kunst überrascht als eine autodidaktische Kunst, die professionell umgesetzt wird, und in ihrer Grenzüberschreitung vom Ungelernten zur offiziellen, gar staatlichen Anerkennung.

Die Ausstellung Naiver Kunst aus der Ukraine im open art museum, unter der kuratorischen Leitung von Lidia Lykhach, RODOVID-Gallery, Kyiv, ist die erste in der Schweiz. Sie ist begleitet von einem Katalog in ukrainischer, englischer und erstmals in deutscher Sprache.

Merkmale Naiver Kunst in der Ukraine

Darstellungen des Lebensalltags sind zentral in der Naiven Kunst. Auffallend sind die vielfältigen Porträts, speziell das repräsentative Porträt. In der ukrainischen Naiven Kunst ist die Porträtmalerei sowohl mit den Parsunas verbunden, abgeleitet von der Ikonenmalerei, als auch mit der Tradition zeremonieller Kosakenporträts des 17. und 18. Jahrhunderts. Ebenso haben die ersten Fotostudios in der Provinz mit ihrer eigenen Ästhetik der inszenierten Fotografie einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Genres. Die Porträts bekannter Meister wie Panas Yarmolenko (18861953) und seiner Tochter Yakylyna Yarmolenko (19181970er-Jahre), Hryhorii Ksionz (18741946) und Kateryna Bilokur (19001961) bestechen durch ihre Ausdruckskraft. Trotz Stilisierung und Vereinfachung erfassen sie individuelle Charaktere. Sorgfältig ausgearbeitet erscheinen die Porträts kaum noch «naiv». Grenzen zwischen Realismus, Neue Sachlichkeit und Naive verwischen.

Viele ukrainische Künstlerinnen beginnen mit floralen Wandmalereien an ihren eigenen Häuser, in der Nachbarschaft und bei Verwandten. Benannt nach dem Zentrum der volkstümlichen Kunst in der Ukraine, der Ortschaft Petrykivk, ist die Petrykivka-Malerei ein dekorativer Stil, der lokale Flora und Fauna zeigt und reich an Symbolik ist. 2013 wird die Petrykivka-Malerei von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Tetiana Pata (18841976), Oryna Pylypenko (18931979) und Paraska Pavlenko (18811983) stehen in dieser Tradition. Sie benutzen einfache Farben und spezielle Pinsel, z.B. aus Gras.

Glossar

Parsuna: Form der Porträtmalerei. Ihr Stil ist von der Ikonenmalerei abgeleitet und stellt einen Zwischenschritt zu realistischeren Porträts dar.

Petrykivka-Malerei: Stil der dekorativen Malerei mit Pflanzen- und Blumenmustern, reich an Symbolik. Benannt nach der Ortschaft Petrykivka, dem Zentrum ukrainischer Volkskunst. Die speziellen Pinsel werden meist selbst hergestellt. Von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Pysanky: Volkstümlicher Brauch der kunstvollen Verzierung von Ostereiern mit detaillierten traditionellen Mustern.

Vernissage

Mittwoch, 06. September 2023, um 18.30 Uhr
Thomas Scheitlin, Präsident Stiftungsrat
Iryna Venediktova, Botschafterin der Ukraine in der Schweiz und Fürstentum Liechtenstein
Fabienne Baraga, Bundesamt für Kultur BAK
Lidia Lykhach, RODOVID-Gallery, Kyiv
Monika Jagfeld, Museumsleiterin

open art museum

KünstlerInnen

Kateryna BILOKUR

(1900–1961) Bohdaniwka, Bezirk Jahotyn, Region Kyiv

Kateryna Bilokur besuchte nie eine Schule, zeichnete und stickte aber schon als Kind. Ihre frühen Werke haben viel mit der Volkskunst gemein. Bilokur brachte sich das Lesen und auch das Malen selbst bei und stellte ihre eigenen Farben und Pinsel her. Gegen den Willen ihrer Eltern ver-folgte sie die Karriere als Künstlerin, sogar auf Kosten ihrer Gesundheit. Sie wandte sich an die Opernsängerin Oksana Petrusenko, welche Bilokurs Zeichnungen im Poltava Center of Folk Creativity ausstellte. Darauf folgten weitere Gruppenausstellungen und 1941 ihre erste Einzelaus-stellung in Poltava. Acht Jahre später war sie Mitglied der Künstlervereinigung der Ukraine und wurde 1956 zur Künstlerin des Volkes ernannt. Ihre Werke waren in Kyiv, Moskau und anderen Städten zu sehen. An der internationalen Ausstellung 1954 in Paris, waren drei ihrer Gemälde zu sehen, die einen bleibenden Eindruck auf Pablo Picasso hinterliessen.

Zum Werk von Kateryna Bilokur erschienen zahlreiche Publikationen, Kunst- und Dokumentarfilme.

Ananii BOVSUNOVSKY

(1927–2013) Bovsuny, Bezirk Luhyny, Region Zhytomyr

Der Künstler, Bildhauer, Schnitzer und Ethnograf ver-brachte den grössten Teil seines Lebens an seinem Geburtsort Bovsuny. Als junger Mann wollte er Priester werden, doch sein Traum ging nicht in Erfüllung. Im Laufe seines Lebens war er in verschiedenen Berufen tätig, unter anderem als Werklehrer an der örtlichen Schule.

Er schuf Holzskulpturen und Flachreliefs zu historischen und religiösen Themen. Er schnitzte auch Porträts seiner Zeitgenossen. Seine Inspiration fand er in der traditionellen Ikone. Bovsunovsky interessierte sich für die Geschichte der Ukraine, für das religiöse Leben und die Ethnografie und arbeitete gerne mit Kindern.

Bozhena CHAHAROVA

(* 1983) Vchoraishe, Region Zhytomyr

Bozhena Chaharova schloss die Schule mit einer Silber-medaille ab. Während ihrer Schulzeit wurde bei ihr eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Eine Kunsttherapie (Beschäftigungstherapie) im Rahmen ihrer Behandlung im regionalen psychiatrischen Krankenhaus von Zhytomyr wirkte sich positiv auf ihre Gesundheit aus. Seit 2001 beschäftigt sich Chaharova hauptsächlich mit der Stickerei, die sich von einem anfänglich dekorativen Stil zu einer ausdrucksstarken modernen Form entwickelt hat. Später kam als neuer Schwerpunkt die Arbeit mit Textzitaten hinzu.

Die Künstlerin lebt mit ihren Eltern im Dorf Vchoraishe.

Ausstellungen: Bozhe Na: Leben und Schaffen von Bozhena Chaharova (2019, Zhovten Kino, Zhytomyr); Bozhena Chaharova. Ukraine: The Peak of Surrealism (2018, Ya Gallery, Kyiv).

Sofia HOMENIUK

(1921–2001)

Viitivka in der Nähe von Uman, Region Cherkasy

Die Homeniuk-Schwestern Sofia (1921–2001) und Yaryna (1913–1989) verloren ihre Eltern früh und wuchsen in einem Waisenhaus auf. Ihre künstlerische Arbeit begann mit dekorativen Bemalungen von Häusern und Kaminen. Sie stellten ihre Pinsel aus Waldgräsern her und benutzten für jede Farbe einen anderen. Später malten Yaryna und Sofia mit Gouache auf Papier oder Karton. Der Kunsthistoriker und Künstler Nartsis Kocherezhko aus Kyiv sammelte Werke der Künstlerinnen, verhalf ihnen zu Ausstellungen und machte ihre Kunst in weiten Kreisen bekannt. Einen grossen Erfolg feierten sie in den späten 1960er-Jahren mit der Ausstellung im Taras Shevchenko Museum in Kyiv. Ihre Werke befinden sich im Kunstmuseum Zaporizhzhya, National Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine in Pyrohiv, Taras Shevchenko Museum, Ivan Honchar Museum (Ukrainisches Zentrum für Volkskultur) und in Privatsammlungen.

Hanna HOTVIANSKA

(1931–2019)

Hanna Hotvianska wuchs als das älteste von fünf Ge-schwistern in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Anstatt mit Stift und Papier zeichneten die Kinder mit Kreide auf Lappen. Während ihrer Ausbildung im Seidenbau in Myrhorod, entdeckte Hotvianska ihre Passion für die Stickerei. Später, als sie als verheiratete Frau und Mutter von drei Kindern auf einem Bauernhof arbeitete, stickte sie weiterhin entweder nachts oder im Morgengrauen. Zunächst bestickte sie Trachten und später, von 2003 bis 2013, stickte sie Ikonen und Bilder. Dabei benutzte sie aufgeribbelte alte Kleider. Die von zwei Hungersnöten geprägte Kindheit hatte tiefe Spuren hinterlassen. Bevor sie in den Ruhestand ging, begann Hotvianska zu malen. 1993 wurde sie zum ersten gesamtukrainischen Symposium der Meister der Volkskunst in Sednev in der Region Chernihiv eingeladen. Dort lernte sie das Weben und stellte einen Teppich her. Nach ihrer Rückkehr bestellte sie einen Webstuhl. Die gestickten Teppiche von Hanna Hotvianska sind einzigartig in ihrer Thematik, Ausführung, Bildsprache und Farbgebung.

Hryhorii KSIONZ 

(1874–1946) Myrhorod, Region Poltawa

Hryhorii Ksionz verlor nach einer schweren Krankheit im Kindesalter die Fähigkeit zu sprechen. Das Malen lernte er von Mykhailo Khymochka sowie von anderen Myrhoroder Meistern, mit denen er zusammenarbeitete. Kim Skalatsky, Experte für Volkskunst und langjähriger Direktor des Kunstmuseum Poltava, entdeckte das Werk von Ksionz. Die meisten von Ksionz bekannten Werken stammen aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Sein Frühwerk ist noch weitgehend unerforscht. Der Künstler malte Landschaften, Stillleben und Ikonen, doch einen besonderen Platz in seinem Œuvre nehmen die Porträts ein, die ihm auf seinen Reisen durch die Dörfer der Region Poltava in Auftrag gegeben worden sind. Sie gelten heute als Archetypen des ukrainischen Dorfporträts.

Die Werke von Hryhorii Ksionz befinden sich in den Sammlungen des Kunstmuseum Poltava, Myrhorod Ethnographic Museum, Ivan Honchar Museum (Ukrainisches Zentrum für Volkskultur) und des National Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine.

Ivan LYSENKO

(1921–1977) Zolotonoshka, Bezirk Drabiv, Region Cherkasy

Ivan Lysenko wurde in eine Familie von Getreidebauern geboren. 1935 schloss er die siebte Klasse der örtlichen Schule ab und arbeitete in der Kolchose. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert und kehrte 1945 in sein Heimatdorf zurück. Im folgenden Jahr wurde er zur Armee einberufen und in dieser Zeit begann er zu malen. Nach seiner Rückkehr absolvierte er das Cultural Educational Technicum und die Kharkiv State Academy of Culture. Er war Direktor der Zolotonoshka-Bibliothek und des örtlichen Kultur-hauses. 1974 gründete er in seinem Heimatdorf ein ethno-grafisches Museum, das später «Volk» genannt wurde. Auf seine Initiative hin wurde 1988 die Gemäldegalerie Zolotonoshka, Freundschaft der Völker, gegründet.

Ivan Lysenkos Werke wurden in 23 Einzelausstellungen sowie in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt; regional, in der Republik, in der Union und im Ausland. Über das Leben des Künstlers wurden zwei Dokumentarfilme gedreht: Zolotonoshka Evenings und Ivan Lysenko’s Paint.

Nikifor (DROVNIAK) 

(1895–1968) Krynytsia, Region Lemkiv (heute Polen)

Nikifor ist einer der wenigen Meister der Naiven, die zu Lebzeiten bekannt wurden. Sein Hauptwerk besteht aus Aquarellen, die in der Zwischenkriegszeit entstanden sind. Er malte vorwiegend städtische Architektur, Bahnhöfe, Fabriken und Kirchen, aber auch Landschaften. Neben Aquarell verwendete Nikifor auch Gouache und Kreide und in seinen letzten Lebensjahren Bleistift. Sein Talent wurde vom Künstler Roman Turyn aus Lviv entdeckt, der über 200 seiner Zeichnungen sammelte und sie der Pariser Galerie von Léon Marcel für eine Ausstellung des Shevchenko National Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine im Jahr 1932 übergab. Jerzy Wolff veröffentlichte 1938 den Aufsatz «Maler des naiven Realismus in Polen: Nikifor» und nach Ausstellungen in Lviv, Warschau und 1959 in Paris in der Galerie von Dina Vierny, erlangte Nikifor endgültig internationale Berühmtheit. Über sein Werk wurden zahlreiche Monografien, Artikel und Dissertationen verfasst sowie mehrere Dokumentarfilme und ein Spielfilm gedreht.

Tetiana PATA 

(1884–1976) Petrykivka, Region Dnipro

Mit 14 Jahren verdiente Tetiana Pata ihr Geld mit deko-rativen Bemalungen von Kaminen und Öfen zu Feiertagen und Hochzeiten und erwarb sich bald den Ruf als beste Malerin im Bezirk. 1913 erhielt sie Besuch von der Künstlerin Yevgenia Evenbakh aus St. Petersburg, die ihre Zeichnungen kopierte und sie einlud, in die russische Hauptstadt zu ziehen, was Pata jedoch ablehnte. Das weitere künstlerische Schicksal von Tetiana Pata wurde durch eine Begegnung mit dem bekannten Historiker und Ethnografen Dmytro Yavornytsky bestimmt, der als erster die Anerkennung ihrer Werke im Bereich der Volkskunst förderte. In der Folge erhielt Pata 1925 vom Dnipropetrovsk National History Museum den Auftrag, einen Teppich und zwei Skizzen für Kaminbilder anzu-fertigen und 1936 besuchte die Künstlerin Kyiv als Teil einer Delegation von Petrykivka anlässlich der ersten Ausstellung ukrainischer Volkskunst der Republik. Später wurden ihre Werke in Moskau und St. Petersburg aus-gestellt. 1950 wurde Tetiana Pata Mitglied der Künstler-vereinigung der Ukraine.

Paraska PAVLENKO

(1881–1983) Petrykivka, Region Dnipro

Paraska Pavlenko war wie ihre Mutter, Grossmutter und auch ihre beiden Töchter eine Künstlerin der Petrykivka-Malerei. Im Alter von sechs Jahren begann sie zu zeichnen – Blumenbilder auf dem Kamin, über den Fenstern oder an der Decke. In dem Dorf Petrykivka, in dem sie aufge-wachsen ist, wurden lange alle Häuser mit Pflanzenorna-menten geschmückt – sie wurden oft auf Papier gezeichnet und vor den grossen Feiertagen – Weihnachten, Ostern, Trinitatis – an die Aussenwände des Hauses geklebt.

Mit der Zeit wurden Petrykivka-Malereien auf Porzellan, Keramik und Holz angefertigt. Kunsthistoriker kamen nach Petrykivka und baten die Künstler, auf Papier, Karton und Sperrholz zu malen und nicht nur Pflanzenornamente darzustellen. So entwickelten sich die berühmten Petrykivka-Künstler Tetiana Pata, Nadia Bilokin, Paraska Pavlenko, Orina Pylypenko, Viktor Sokolenko und andere. Ihre Werke wurden in der Ukraine und im Ausland als Ausdruck einer einzigartigen Volkskunst ausgestellt.

Dmytro PEREPELYTSIA

(1903–1981) Region Poltawa

Dmytro Perepelytsia wurde in Poltawa geboren und lebte dort. Er studierte Malerei bei O. S. Platonov und gehörte zur so genannten Poltava School of Artisans. Perepelytsias Werke, explizit das Stillleben mit Wassermelone, wurden in die Universal Encyclopedia of Naive Art von Oto Bihalji-Merin und Nebojša „Bato“ Tomašević (Belgrad, 1984) aufgenommen. Es ist «Onkel Mytia» zugeschrieben, wie Perepelytsia von den Leuten genannt wurde.

Perepelytsia wurde wie andere Kunsthandwerker aus Poltava von dem Experten für Naive Kunst und langjährigen Direktor des Kunstmuseum Poltava, Kim Skalatsky, entdeckt. Im Jahr 2004 veröffentlichte der Verlag RODOVID Press seine Forschungen in dem Buch Searches. Finds. Discoveries.

 

Maria PRYMACHENKO 

(1909–1997) Bolotnia, Region Kyiv

Maria Prymachenko erkrankte früh an Kinderlähmung und verbrachte viel Zeit mit Sticken und dekorativer Hausmalerei. 1936 wurde sie im Rahmen einer «Kampagne zur Entdeckung von Volkstalenten» erstmals von einem breiteren Publikum wahrgenommen. Sie wurde zu Workshops am Nationalen Kunstmuseum Kyiv eingeladen, wo sie zusammen mit Tetiana Pata, Paraska Vlasenko und Natalia Vovok studierte. Sie erhielt im selben Jahr eine Auszeichnung und in der Folge wurden Prymachenkos autodidaktische Werke auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Als Kriegswitwe musste Prymachenko alleine für sich und ihren Sohn sorgen, weshalb sie erst in den späten 50er-Jahren wieder künstlerisch aktiv sein konnte. 1959 wird sie Mitglied der Künstlervereinigung der Ukraine und 1966 erhielt sie den Shevchenko-Preis. Über 600 Werke der Künstlerin befinden sich heute in ukrainischen Museen und Privatsammlungen. Ihre Werke zieren den Umschlag der Universal Encyclopedia of Naive Art und die UNESCO hat das Jahr 2009 zum Jahr der Maria Prymachenko erklärt.

 

Oryna (Iryna) PYLYPENKO

(1893–1979)

Oryna Pylypenko war eine Künstlerin, Stickerin und Meisterin der Petrykivka-Malerei, die sich im Dorf Petrykivka in der Nähe der Stadt Dnipro entwickelte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Pylypenko eine der berühmtesten Künstlerinnen dieser Technik. Ihre Werke wurden erstmals 1935 auf einer nationalen Ausstellung gezeigt. Ab 1968 nahm die Künstlerin an verschiedenen internationalen Ausstellungen teil.

 

Hanna SHABATURA

(1914–2004) Ivan-Zolote, Bezirk Zalishchyky, Region Ternopil

Hanna Shabatura stammte aus der Familie Semanyk, zu der auch Dorfbildhauer und Kirchenbauer gehörten. Schon immer hatte sie einen Drang, sich künstlerisch auszu-drücken – sie stickte, fertigte «Pysanky» an und zeichnete –aber erst mit fünfzig Jahren begann sie zu malen. Es war ihre Tochter Stefania Shabatura, Tapisserie-Kunsthand-werkerin, Künstlerin und Dissidentin, die sie dazu brachte.

Während ihre Tochter wegen «antisowjetischer Agitation» im Straflager Mordovia war, fand Shabatura Trost in ihrer Kreativität – sie stickte und malte ausgiebig. Sie malte Haïvka-Osterlieder, Neujahrsfeiern, Kirchen, Landschaften, Bauern bei ihrer täglichen Arbeit. Sie liebte es, Zyklen zu malen. In den 1990er-Jahren wurden ihre Werke in Lviv und Kyiv ausgestellt und 2004 wurde Antonina Palahniuks Forschungsarbeit zu Hanna Shabatura veröffentlicht.

 

Oleksandra SHABATURA 

(1913–1989)

Oleksandra Shabatura lebte und arbeitete in Poltava und begann im Alter von vierzehn Jahren zu malen. In den 1930er-Jahren lernte sie Semén Furman kennen, als sich in Poltava eine Gruppe von Kunsthandwerkern bildete, die ihre Bilder auf dem Basar verkauften (Semén Furman, Yurii Biriukov, S. Soloshenko, S. Shvydka, Mykola Volkov, Maria Volkova). Shabaturas Werke wurden in die Universal Encyclopedia of Naive Art (Belgrad, 1984) aufgenommen und befinden sich in privaten Sammlungen und Museen in der Ukraine.

Wie andere Kunsthandwerker aus Poltava wurde auch Oleksandra Shabatura von dem Experten für Naive Kunst und langjährigen Direktor des Kunstmuseum Poltava, Kim Skalatsky, entdeckt. Ein Buch über seine Forschungen, Searches. Finds. Discoveries wurde 2004 von RODOVID Press veröffentlicht.

 

Panas YARMOLENKO

(1886–1953) Mala Karatul, Bezirk Pereiaslav, Region Kyiv

Panas Yarmolenko diente während des Ersten Weltkriegs im Militär. In der Zwischenkriegszeit arbeitete er in einer Kolchose und auf seinem eigenen Gehöft und widmete sich in seiner Freizeit der Malerei.

Es ist schwer zu sagen, ob Yarmolenko eine künstlerische Ausbildung genossen hat. Es gibt Hinweise darauf, dass er als Jugendlicher einige Zeit in Pereiaslav verbracht haben soll, um Malerei zu studieren. Als Yarmolenko im Alter mit seiner Familie dort lebte, arbeitete er jedenfalls als Künstler im lokalen Kulturhaus und unterrichtete Malerei an der ersten Mittelschule in Pereiaslav.

Die meisten seiner Gemälde entstanden zwischen 1932 und 1945. Yarmolenko malte Landschaften und Genreszenen, aber am eindrucksvollsten sind seine Porträts – Selbst-, Gruppen- oder Kinderporträts –, mit denen er die Tradition der Parsuna – ein an die Ikonenmalerei angelehnter Porträt-stil – fortzusetzen scheint. Seine zahlreichen Porträts von Freunden, Nachbarn, Verwandten und einfachen Zeit-genossen stellen eine ganze Geschichte seiner Heimatstadt Pereiaslav dar.

 

Yakylyna YARMOLENKO

(1918–um 1970er-Jahre)

Mala Karatul, Bezirk Pereiaslav-Khmelnytsky, Region Kyiv

Yakylyna Yarmolenko, die älteste Tochter des Künstlers Panas Yarmolenko, war künstlerisch begabt, hatte jedoch keine Ausbildung in dem Bereich. Sie half ihrem Vater beim Malen seiner Werke und verkaufte diese auf dem Basar.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Yarmolenko in einer Frauengarnison. Nach dem Krieg machte sie ihren Abschluss am landwirtschaftlichen Institut in Kyiv. Eine Zeit lang lebte sie mit ihrer Mutter in ihrem Heimatdorf, aber nachdem sie geheiratet hatte, liess sie sich in der Haupt-stadt nieder. Sie arbeitete kaum in ihrem Beruf. Sie malte viel, verkaufte ihre eigenen Bilder aber selten. Eher half sie ihrem Vater bei seinen Arbeiten. Interessant ist, dass Yakylyna ihre Werke nicht signierte. Die Familie Yarmolenko half bei der Feststellung der Urheberschaft. In der Publikation Panas Yarmolenko: A Portrait of My Land(RODOVID Press: 2006) wird sein Œuvre und das seiner Tochter Yakylyna vorgestellt.

 

Yakiv YUSHCHENKO 

(1912–1987) Lekhnivka, Region Kyiv

Yakiv Yushchenko zeigte schon in jungen Jahren ein Talent zum Zeichnen und Schreiben von Gedichten. Nachdem er die Grundschule in seinem Heimatdorf abgeschlossen hatte, setzte er sein Studium an der technischen Schule in Basan fort. Er arbeitete als Lehrer und absolvierte gleichzeitig ein Fernstudium an der Lehrerbildungsanstalt in Kyiv. Nach sei-nem Abschluss unterrichtete er Mathematik, Geografie und Zeichnen an der Schule in Lekhnivka. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in die Armee eingezogen. Nach seiner Rückkehr in sein Heimatdorf setzte Yushchenko seine Ar-beit an der Schule fort, zunächst als stellvertretender Schulleiter, später als Direktor. Er schuf fast 100 Gemälde, 53 Gedichte und drei Bände mit Prosawerken.

Die Gemälde des Landlehrers Yakiv Yushchenko zeugen von der Originalität seiner künstlerischen Interpretation der Welt, die ihn umgibt.