„Tierisches“ im Arp Museum Bahnhof-Rolandseck zum 15-Jährigen Jubiläum

Johannes Brus, „Anubis“ 2022. Foto: Peter Köster

Remagen. Eine großformatige Fotoarbeit „Selbstporträt mit Maus“ von Walter Schels liefert das Entreè für die Ausstellung „Tierisch was los. Tiere und ihre Menschen“, die das Arp Museum Bahnhof Rolandseck anlässlich seines 15-jährigen Jubiläums zeigt. Die Präsentation dauert bis zum 23. März.

68 Exponate

In der Kunstkammer Rau, die ebenfalls in diesem Jahr ihr 13. Jubiläum feiern kann, ist „tierisch was los!“ Denn in vielen Gemälden und Skulpturen der Sammlung Rau für UNICEF kräht, bellt und grunzt es. Die Tierwelt vom Mittelalter bis in die Neuzeit wird entfesselt. 68 Exponate erzählen die spannungsreiche Beziehungsgeschichte zwischen Tieren und Menschen vom Altertum bis in die Gegenwart, von der ägyptischen Katzenmumie bis zur zeitgenössischen Fotografie.

Bühne frei für die Nutztiere

Mythische Tierwesen und gezähmte Kreaturen sind zentrale Gestalten in Religion und Volksglauben. Mal sind sie geistiger Ahnherr, helfender Gott, verfluchter Dämon oder symbolische Stellvertreter des Menschen. Mythische Tierwesen tummeln sich in der Kunst der Antike und bevölkern die Altäre des Mittelalters. In solchen Darstellungen spiegelt sich die traditio­nell enge Bindung zwischen Tier und Mensch. Diese Beziehung ist ambivalent, geprägt von Liebe und Furcht, von kompro­missloser Inbesitznahme und der Akzeptanz eines nützlichen Helfers an menschlicher Seite. Bühne frei für die Nutztiere. Milchkühe, Schafe, Pferde und Hühner treten ins Rampenlicht barocker Bildbühnen. Das nicht gezähmte Wild bleibt dagegen Beute. Frisch erlegt, apportiert vom treuen Jagdhund, halten es die Jagdstillleben dieser Epoche fest.

Francois Pompon, „Cayenne-Huhn“, Ende 19. Jahrhundert. Foto: Peter Köster

Zunehmend fragmentiert

Mit der Revolution der Wissenschaft in der Aufklärungszeit erhält die Tier-Mensch-Beziehung einen gewaltigen Schub. Vom sezierten oder studierten Objekt wird das Tier plötzlich in uns entdeckt. Aber auch die andere Seite der Beziehung zwischen Tier und Mensch wird entdeckt: Als verführerische Fischplatte in schillernd bunten Farben oder als fetter Schinken besetzt das getötete Tier die Bildfläche. „Auf den verführerisch bunten Küchenstücken des 17. und 18. Jahrhun­derts erscheint das Tier dagegen zunehmend fragmentiert. Gesichtslos, entindividualisiert wird es zur Ware“, sagt Susanne Blöcker, Kuratorin der Kunstkammer Rau bei der Führung durch die Ausstellung an der  auch erstmals die neue Direktorin des Arp Museums,. Dr. Julia Wallner, teilnahm. Blöcker weiter: „Im Kontrast dazu werden Haustiere wie Hunde, Katzen und Pferde seit dem 18. Jahrhundert mehr und mehr zu unseren engsten Freunden und Begleitern. Diente der Windhund in klassischen Porträts dem Jagdherrn als Ausweis seines Adels, sitzt er nun als Gefährte und Schoßhund nahezu gleichberechtigt neben ihm.“

Walter Schels „Selbstporträt mit Maus“, 2000. Foto: Peter Köster

Brücke in die Gegenwart

Neben hochkarätigen Gemälden und Skulpturen aus der Sammlung Rau schlagen in der Ausstellung zeitgenössische Kunstwerke eine Brücke in die Gegenwart. So bringen uns fotografische Tierporträts von Ursula Böhmer oder Walter Schels auf Augenhöhe mit unseren Mitlebewesen. Demgegenüber erinnert die Skulptur zweier friedlich grasender blauer Pferde von Johannes Brus an ein verlorenes Paradies, fernab von Artensterben und Klimawandel. Mit den Werken des berühmten Essener Bildhauers schließt sich ein Kreis, knüpft Brus doch damit an seine tierische Menagerie an, mit der er bereits vor 15 Jahren zur Eröffnung die Räume der Kunstkammer bespielte. Peter Köster

Saskia Niehaus, o.T. 2013. Foto: Peter Köster