„Im Rosenfeld“ | Preisgericht kürt Entwurf „BaumStadt“ zum Sieger

Das Modell des Siegerentwurfs zeigen (v.l.) Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Architektin Prof. Dipl.-Ing. Eva-Maria Pape, Vorsitzende des Preisgerichts, und Stadtbaurat Helmut Wiesner. | © Sascha Engst/Bundesstadt Bonn

Logo Stadt Bonn GoldDie 18 Hektar große Freifläche „Im Rosenfeld“ im Ortsteil Buschdorf im Norden Bonns hat eine stadtweite Bedeutung. Während ein Großteil des Areals dem Landschafts- und Naturschutz dienen soll, möchte die Stadt auf einer Fläche von acht Hektar ein innovatives, nachhaltiges, klimaneutrales und autoarmes Wohnquartier mit mindestens 50 Prozent geförderten Wohnungen, einer Grundschule und einer Kita schaffen.

Übersichtsplan vom Siegerentwurf für die Bebauung "Im Rosenfeld" in Buschdorf. Die Fläche liegt zwischen den Stadtbahngleisen, dem Grünen C und der Autobahn 555. | Schellenberg + Bäumler Architekten GmbH (Dresden) mit Studio grüngrau Landschaftsarchitekten GmbH (Düsseldorf)
Übersichtsplan vom Siegerentwurf für die Bebauung “Im Rosenfeld” in Buschdorf. Die Fläche liegt zwischen den Stadtbahngleisen, dem Grünen C und der Autobahn 555. | Schellenberg + Bäumler Architekten GmbH (Dresden) mit Studio grüngrau Landschaftsarchitekten GmbH (Düsseldorf)

Für das notwendige Bebauungsplanverfahren, um Baurecht zu schaffen, hat die Stadt in einem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb durch Planungsbüros Ideen für die zukünftige Entwicklung des Areals erarbeiten lassen. Das Preisgericht hat am Mittwoch, 03. Juli 2024, einen ersten und einen zweiten Preis sowie zwei Anerkennungspreise vergeben. Erstplaziert sind Schellenberg + Bäumler Architekten GmbH (Dresden) mit Studio grüngrau Landschaftsarchitekten GmbH (Düsseldorf).

Möglichst viel Wohnraum mit hohem Wohnwert

Prof. Eva-Maria Pape ist Direktorin des Instituts für Energieeffiziente Architektur und Prodekanin für Studium und Lehre an der Fakultät für Architektur (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)
Prof. Eva-Maria Pape ist Direktorin des Instituts für Energieeffiziente Architektur und Prodekanin für Studium und Lehre an der Fakultät für Architektur (Bild: Thilo Schmülgen/TH Köln)

Architektin Prof. Dipl.-Ing. Eva-Maria Pape, Vorsitzende des Preisgerichts: „Die Jury hat in einer langen Sitzung unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Bürgerdialogs aus 13 eingereichten Entwürfen die beste Lösung für das Quartier ,Im Rosenfeld‘ identifiziert. Eine zentrale Fragestellung war hierbei, in unmittelbarer Nähe zur Autobahn mit einer angemessenen Dichte möglichst viel Wohnraum mit hohem Wohnwert zu schaffen. Die offene Blockstruktur des ersten Preises bietet eine robuste Struktur, um Gebäudegruppen mit lärmgeschützten, gemeinschaftlichen Freiflächen zu bilden.“

Katja Dörner
OB Katja Dörner, Foto: Schafgans/Bundesstadt Bonn

Oberbürgermeisterin Katja Dörner, die Mitglied des Preisgerichts war: „Das Quartier ‚Im Rosenfeld‘ ist von stadtweiter Bedeutung, denn hier soll ein innovatives Wohngebiet entstehen, das nachhaltig, klimaneutral und autoarm ist und dadurch Strahlkraft über Buschdorf hinaus haben wird. Der nun in einem aufwändigen Verfahren ausgewählte städtebauliche Entwurf erfüllt die Anliegen des Stadtrates. Die Jury hat einen sehr überzeugenden Sieger ermittelt. Dieses künftige Wohnquartier verspricht eine wertvolle und attraktive Bereicherung auch für das Zusammenleben in Buschdorf zu werden.“

Helmut Wiesner
Helmut Wiesner| Copyright: Sascha Engst/Bundesstadt Bonn

Stadtbaurat Helmut Wiesner: „In einer intensiven Jurysitzung, an der auch die gelosten BürgerInnenvertreter aus Buschdorf teilgenommen haben, haben wir nach sehr ausführlicher Debatte und Diskussion einen würdigen Siegerentwurf prämiert. Dieser Entwurf zeichnet sich dadurch aus, dass er die Anforderungen aus der Auslobung gut erfüllt, dass er ausreichend neue Wohnungen in Buschdorf verspricht und dass er städtebaulich eine gute Abrundung am Rande der Bundesstadt Bonn bildet.“ 

Der Siegerentwurf

Gemeinschaftlich Leben in der BaumStadt“ ist der Titel des Siegerentwurfs. „Baum“ wird als Metapher für eine starke grüne Gestaltung gewertet. Das Quartier wird in Zukunft den baulichen Abschluss des Stadtteils Buschdorf bilden. Die Grundstruktur des Gebietes wird durch die Landschaft und das angrenzende „Grüne C“ geprägt. Es entsteht ein zusammenhängender, klimaresilienter Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität.

Der Baumbestand wird durch Neupflanzungen erweitert, zudem sind Dachgärten, Gemeinschaftsräume mit direkten Anbindungen an das Grüne C sowie eine weitreichende Fassadenbegrünung mit bodengebundenen Rankhilfen geplant. Durch Nutzung von Geothermie in Kombination mit Wärmepumpen und Photovoltaik soll das Projekt über ein kaltes Nahwärmenetz energieautark werden. Verdunstungskühle mittels blaugrüner Infrastruktur, Verschattung und intelligente Durchlüftung sichern ein optimales Mikroklima. Das Leitbild „Autoarmes Quartier“ eröffnet große Chancen für die Gestaltung von öffentlichen Freiräumen und führt zu einem ganz neuen Stadtbild.

Es wird Wohnraum für eine möglichst große Bewohnerschaft geschaffen. Vorgesehen sind mindestens 800 – 900 Wohneinheiten, mindestens 50 Prozent davon als geförderter Wohnungsbau. Besondere Wohnformen wie Genossenschaften, Wohninitiativen, Mehrgenerationenwohnen, gemeinschaftliches Wohnen sowie die Schaffung und Sicherung eines bezahlbaren, bedarfsgerechten, zukunftsfähigen und durchmischten Wohnraumangebots werden berücksichtigt. Ein prägendes Merkmal aller Baufelder sind die umlaufenden, bis zu fünf Meter tiefen, privaten Vorbereiche zur „Straße“ und zum Hof. Wie grüne Teppiche vor den Gebäuden ausgelegt, bieten sie Raum für diverse Nutzungen von Garten bis Gastronomie.

Ein prägendes Merkmal aller Baufelder sind die umlaufenden, bis zu fünf Meter tiefen, privaten Vorbereiche zur „Straße“ und zum Hof.
Ein prägendes Merkmal aller Baufelder sind die umlaufenden, bis zu fünf Meter tiefen, privaten Vorbereiche zur „Straße“ und zum Hof. Wie grüne Teppiche vor den Gebäuden ausgelegt, bieten sie Raum für diverse Nutzungen von Garten bis Gastronomie. | © Ein prägendes Merkmal aller Baufelder sind die umlaufenden, bis zu fünf Meter tiefen, privaten Vorbereiche zur „Straße“ und zum Hof. Wie grüne Teppiche vor den Gebäuden ausgelegt, bieten sie Raum für diverse Nutzungen von Garten bis Gastronomie.

Hinsichtlich der Umweltverträglichkeit der Bauwerke ist der Einsatz recyclebarer Materialien sowie deren Verbau in modularer und serieller Bauweise beabsichtigt. Neuversiegelungen sind auf das nötige Maß beschränkt. Vorhandene Klimafunktionen der Grün- und Freiflächen werden bewahrt. Anfallendes Regenwasser wird als Ressource der Schwammstadt genutzt und überwiegend im Quartier selbst gespeichert und verwendet. Wind- und Grünkorridore erzeugen über Durchlüftung und Verschattung gemeinsam mit den Verdunstungsflächen des Wassers ein günstiges Mikroklima.

Umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit

Am Vorabend der Preisgerichtssitzung hatte eine öffentliche Beteiligungsveranstaltung stattgefunden. Alle Entwürfe waren anonymisiert vorgestellt worden, und die BürgerInnen konnten mittels Klebepunkten und Post-Its ihre Meinung zur Umsetzung der “Leitideen der Bürgerschaft” abgeben.

Diese Leitideen waren im Sommer 2023 im Rahmen in mehreren öffentlichen Veranstaltungen gemeinsam mit den BürgerInnen erarbeitet worden. Sie fassen die Wünsche der Bürgerschaft an das neue Quartier zusammen. Es wurden die folgenden Kategorien gebildet:

  • Umbauter Raum und Freiraum im Einklang
  • Wohnen, Leben und Miteinander fördern
  • Klimagerecht handeln, planen und bauen
  • Nachhaltige Mobilität mitdenken

Das Protokoll des Bürgerdialogs wurde dem Preisgericht zur Kenntnis gegeben; so fanden die Rückmeldungen der BürgerInnen fanden dadurch Berücksichtigung in der Diskussion. Außerdem nahmen drei VertreterInnen aus der Bevölkerung am Preisgericht teil, die im vergangenen Jahr aus allen Interessierten ausgelost worden waren.

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden vom 12. August bis 09. September 2024 in einer Ausstellung im Stadthaus der Öffentlichkeit präsentiert. Die Verwaltung wird mit den Büros des Siegerentwurfs, der als Grundlage für die Aufstellung des Bebauungsplans dienen soll, verhandeln, um einen Auftrag über die weitere Planung abzuschließen. Es folgt die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der die BürgerInnen über die konkrete Planung informiert werden und Stellungnahmen abgeben können.

Mitglieder des Preisgerichts berieten zwölf Stunden über die 13 eingereichten Entwürfe.
Mitglieder des Preisgerichts berieten zwölf Stunden über die 13 eingereichten Entwürfe. | © Bundesstadt Bonn

Folgende Preise wurden vergeben