„Egal wie du es siehst, ich sehe es anders“ – Landesmuseum Bonn zeigt den Kunstpreisträger Herbert Döring-Spengler

Farbige Polaroid-Interpretation auf Hahnemühle-Papier. Foto © Peter Köster

Der Titel seiner Ausstellung lautet „Egal wie du es siehst, ich sehe es anders“.  Bis zum 22. Januar 2022 präsentiert das Landesmuseum Bonn den Künstler Herbert Döring -Spengler in einer Einzelausstellung. Der in Lohmar lebende Döring-Spengler ist aktueller Kunstpreisträger des Rhein-Sieg-Kreises. Vor Bonn wurde er bereits im „Pumpwerk“ in Siegburg gezeigt. Dort wurde ihm auch der mit 20.000 Euro ausgelobte Preis verliehen.

Polaroid- Fotografie

Herbert Döring-Spengler wurde 1944 in Köln geboren. Seit 1976 beschäftigt sich der Autodidakt mit der Fotografie und seit 1984 insbesondere mit der Polaroid- Fotografie. Bei dieser Sofortbildfotografie interessiert Döring-Spengler insbesondere die Manipulation des entstehenden Bildes. Durch Eingreifen in die chemischen Prozesse verfremdet er die typische Optik des Polaroids und schafft neue, farbenfrohe und teils abstrakte Bilder. Herbert Döring-Spengler entwickelte auf diese Weise eine einzigartige Bildsprache zwischen Abstraktion und expressiver Figürlichkeit. Mit diesen oft radikal verfremdeten Bildern, die den angeblichen Wahrheitsanspruch der Fotografie verleugnen, begibt sich Herbert Döring-Spengler auf eine bildnerische Spurensuche nach dem Menschen und seiner inneren wie äußeren Lebenswelt.

Komplexe Fotokunstwerke

Das Polaroid ist Ausgangspunkt für Herbert Döring-Spenglers Praxis. Durch das experimentelle Eindringen in die Materialität der chemischen Prozesse und die Manipulation der verschiedenen stofflichen wie theoretischen Schichten des Bildes erzeugt Döring-Spengler eine Überlagerung verschiedener Ebenen, welche neue Bildräume und Assoziationen ermöglichen. Durch das Eindringen in die Materialität des fotografischen Bildes erschafft der Künstler, er selbst sieht sich „als Bildermacher“, eine neue Bildrealität und führt so den Anspruch der Fotografie, die Wirklichkeit abzubilden, ad absurdum. Durch seinen Eingriff in die fotografischen Vorlagen teils malerisch, teils sogar skulptural entstehen anmutende komplexe Fotokunstwerke. Die so oft radikal verfremdeten Porträt- und Modellaufnahmen sind dabei meist eine Spurensuche nach dem Menschen und seiner inneren wie äußeren Lebenswelt. Dabei steht nicht der gesellschaftliche Status oder das soziale Umfeld der festgehaltenen Person im Vordergrund, sondern vielmehr die Erschließung des Menschen in all seinen Facetten.

„Dia“ und „Gazette“ Ungewöhnliche Haptik

Eine weitere große Werkgruppe bilden die Diazetta, eine Wortschöpfung aus „Dia“ und „Gazette“. Mitte der 1980er Jahre als Technik aus sich überlagernden Zeitungsausschnitten entwickelt, kreiert Döring-Spengler so Bildcollagen, die gesellschaftliche und/oder politische Ereignisse reflektieren oder als surreale Zufallsaufnahmen fungieren. Das Projekt „Diazetta“ arbeitet ebenfalls mit der
Wandelbarkeit des Mediums Fotografie. Hierbei überlagert Döring-Spengler Zeitungsausschnitte und erschafft Bildcollagen, in denen sich sowohl gesellschaftliche wie auch politische Geschehnisse und Ereignisse spiegeln. In den gezeigten Werkgruppen wird die Beschäftigung des Künstlers mit dem Sujet Porträt betont. Dabei porträtiert Herbert Döring-Spengler Menschen des
öffentlichen Lebens, andere Künstler, genauso wie Freunde und Unbekannte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine eindrucksvolle Intensität, farbige Ausdruckskraft und für fotografische Werke ungewöhnliche Haptik aus.

Dies betrifft nicht zuletzt seine zehnteilige Installation „Erinnerung an eine Kindheit“, (Fine Art Prints auf Stoff nach Polaroid). Hier arbeitet der 77-jährige Döring-Spengler fast schonungslos seine Vergangenheit auf, die Erinnerungen aus den Heimerziehungsanstalten sein Zurückkommen in die Geburtstadt Köln 1953. Seine ewige Suche und Flucht nach beziehungsweise vor familiären Strukturen prägen Bildsequenzen einer immerwährenden Existenz. Herbert Döring-Spengler hat mit seinen Werken eine eigene künstlerische  Bildsprache zwischen Abstraktion und figürlicher Expressivität entwickelt, die die Betrachtenden zur tiefgehenden Auseinandersetzung mit seinem Werk auffordert. Peter Köster