„Deutschland um 1980“ – Eine fotografische Zeitreise im Landesmuseum

Langspielplatten als Zeitobjekte der 1980er. Foto: Peter Köster Langspielplatten als Zeitobjekte der 1980er. Foto: Peter Köster

Die gelbe Telefonzelle auf der zweiten Etage wirkt wie aus der Zeit gefallen. Man reibt sich verwundert die Augen. Eine Etage höher hängen zahlreiche Langspielplatten an Gittern. Ebenfalls im Raum zwei Röhrenfernseher. All dies Relikte aus einer Zeit, die von der Gegenwart weit entfernt ist. All diese zeitlichen Objekte bilden die Kulisse für die neue Ausstellung „Deutschland um 1980 Fotografien aus einem fernen Land“, die bis zum 14. August im Landesmuseum zu sehen ist.

Tiefgreifende Umbrüche

Das Bonner Haus nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine ganz besondere Zeitreise, in der sieben Fotografinnen und Fotografen eindrucksvoll die Geschehnisse in den 1980ern mit ihrer Kamera festgehalten haben. Die Zeit um 1980 war eine Phase tiefgreifender Umbrüche und zugleich eine Epoche großer Zukunftsängste. Globales Wettrüsten, grassierende Umweltzerstörung und massenhafte Arbeitslosigkeit befeuerten eine allgemeine Untergangsstimmung, sorgten jedoch zugleich auch für einen extremen Kreativitätsschub. Punk und Pop trieben wilde Blüten und beeinflussten die künstlerische Avantgarde. Eine bunte Jugendkultur behauptete sich als Motor feministischer wie homosexueller Emanzipation. Reformparteien und Öko-Bauern standen plötzlich hoch im Kurs.

Relikt der 1980er: gelbe Telefonzelle. Foto: Peter Köster

Hans-Martin Küsters

Ausgangspunkt für die Ausstellung war die Übernahme des Nachlasses von Hans-Martin Küsters in den Sammlungsbestand des Museums. Diese Position wird nun ergänzt durch Fotografien von Mahmoud Dabdoub, Gerd Danigel, Barbara Klemm, Martin Langer, Angela Neuke und Ingolf Thiel aus den Archiven der Deutschen Fotothek Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg. Höchst individuell blicken die Fotografinnen und Fotografen auf die Entwicklungen in Deutschland um 1980, sei es, als freie Akteurinnen und Akteure, als Reportagefotografinnen und Reportagefotografen im Auftrag von Zeitungen und Magazinen oder als Fotokünstlerinnen und Fotokünstler. Ihre Fotos zeigen das facettenreiche Bild einer Epoche, die unserer Gegenwart ferngerückt zu sein scheint und dennoch bis heute vielfach nachwirkt. „Um 1980 beginnt die Gegenwart“, so Prof. Dr. Thorsten Valk, Direktor des Landesmuseums, vor der Presse.

Die Zeitreise im Landesmuseum wird in insgesamt 200 Fotografien festgehalten. Zu diesen zählt unter anderem der von Barbara Klemm festgehaltene „Bruderkuss“ zwischen Breschnew und Honecker. Auch das Foto von der  Blockade-Aktion gegen Atomtransporte Wendland, 30. April 1984 von Martin Langer, besitzt eine besondere Ausdruckskraft. Zu erwähnen auch der Weltwirtschaftsgipfel Bonn 1985, den Angela Neuke mit der Kamera festhielt. Es lohnt sich auf alle Fälle diesen 1980ern in den Bildern nachzuspüren. Zudem liefern Bücher und Zeitschriften auf den Tischen und in den Vitrinen weiteres Anschauungsmaterial dieses innovativen Jahrzehnts. Peter Köster