Aachen Wirtschaft

Professor Manfred Weck mit dem Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet

Preisverleihung an Professor Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h. Manfred Weck
Preisverleihung an Professor Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h. Manfred Weck (Mitte). Ausgezeichnet wurde Weck im Aachener Rathaus von Oberbürgermeister Marcel Philipp (1. von links) und RWTH-Rektor Professor Dr. Ernst Schmachtenberg (1. von rechts) mit dem Aachener Ingenieurpreis. Es gratulierten VDI-Präsident Professor Dr. Udo Ungeheuer (2. von rechts) und Laudator Professor Dr. Joachim Milberg, ehemaliger Vorsitzender der BMW AG. © RWTH Aachen/Andreas Schmitter

Er gilt als ein Meister der Werkzeugmaschinen, der „Mutter des Maschinenbaus“ hierzulande. Und in seinem Fall muss man von internationalem Rang und Format sprechen. Die Rede ist von Professor Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h. Manfred Weck, der kürzlich mit dem Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet wurde. Wer denkt, dass der 80-Jährige den stillen Ruhestand aussitzt, irrt. Putzmunter und mit feinem Humor, dabei leidenschaftlich, wohlbesonnen und bescheiden nahm der Professor mit Weltgeltung in der Fertigungstechnik die vielen lobenden Worte auf.

 

Die Rührung ist nicht nur dem Geehrten anzusehen. Er hat über Jahrzehnte die Entwicklung der Werkzeugmaschinen als Herz der Produktion entscheidend geprägt. Als er auf der Bühne des Krönungssaals im historischen Aachener Rathaus steht, wird er vom Publikum mit intensivem und langanhaltendem Applaus geehrt.

 

31 Jahre war er Leiter des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen. „Er hat die Werkzeugmaschine bis in die kleinsten Wirkungsmechanismen erforscht“, erklärte der Rektor der RWTH Aachen, Professor Ernst Schmachtenberg. Der Preis solle vor allem das Wirken der Ingenieure in der Öffentlichkeit sichtbarmachen. Manfred Weck wurde von RWTH und Stadt Aachen gemeinsam in einem Festakt für sein Lebenswerk mit dem Aachener Ingenieurpreis geehrt.

 
Bei seiner Preisverleihung im Rathaus berichtete Weck ausführlich über seine Zeit am WZL. „Mir ist sehr wichtig, dass ich diesen Preis stellvertretend für all die engagierten Mitstreiter am WZL entgegennehme. Denn am WZL ist das „Wir“ immer wichtiger gewesen als der Einzelne, sagte er in seinen Dankesworten. Und er gestand mit einem Augenzwinkern: „Ein MIT-Preis wäre mir nicht so wichtig gewesen wie dieser von der RWTH Aachen.“

 

Wiege für  Industrie 4.0
Und selbstbewusst hält er die Fahnen für sein Fachgebiet hoch: „Praktisch alles was sie anfassen wird direkt oder indirekt von Werkzeugmaschinen  gefertigt“. Die führende Leistung und die Innovationen deutscher Ingenieure auf diesem Gebiet sei Ausdruck der Produktions- und Wirtschaftskraft einer Nation. Die USA beispielsweise hätten diese Entwicklung in den 80er-Jahren verpasst, ein Verlust für den technologischen Mittelstand, der neue Produkte schafft, erklärte Professor Weck.  Er selbst hat die in seinem Berufsleben die rasante Entwicklung des Computers miterlebt, schon früh das interdisziplinäre Potenzial erkannt und neben Maschinebauern auch Informatiker ins WZL geholt. So könnte man ihn und das WZL ohne Zweifel als die „Wiege für  Industrie 4.0“ bezeichnen, die heute in aller Munde ist.

 
Nicht zuletzt spielte die Aus- und Weiterbildung eine bedeutende Rolle, wie alle Redner betonten. In über 30 Jahren habe er über 230 Doktoranden promoviert, die inzwischen führende Positionen in Forschung, Entwicklung und Industrie besetzten. So wie heute fast alle Hochschulinstitute auf Drittmittel angewiesen sind, hat der Preisträger diese Zusammenarbeit praktisch in Leben gerufen. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben.

 

Preisträger: Professor Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h. Manfred Weck. © RWTH Aachen/Peter Winandy

„Aachener Ingenieure genießen überall auf der Welt einen herausragenden Ruf, und Manfred Weck ist einer dieser besonders anerkannten Aachener Ingenieure. Er ist ein Vorbild für alle angehenden Ingenieure, die den herausragenden Ruf der Aachener Ingenieure auch in Zukunft in die Welt tragen werden”, sagte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp über den diesjährigen Preisträger. „Die RWTH Aachen ist die DNA dieser Stadt.“

 
Kreativität, Selbstvertrauen, Mut und Umsetzungsstärke
In seiner Laudatio auf Weck legte Professor Dr. Joachim Milberg, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BMW AG (mit Aachener Studienvergangenheit), großen Wert darauf, „dass Manfred Weck nicht nur ein großartiger Ingenieur, sondern auch ein sehr erfolgreicher Innovator ist. Milberg stellte heraus, dass der Aachener Ingenieurpreisträger einen außerordentlichen Beitrag dazu geleistet habe, „dass der deutsche Werkzeugmaschinenbau und damit auch die industrielle Fertigung in unserem Land auf dem heutigen exzellenten Stand sind.

 

Die „besondere Mentalität, die Milberg bei Weck erkennt, sei gekennzeichnet, so der Laudator, von Kreativität, Selbstvertrauen, Mut und Umsetzungsstärke. Und das Geheimnis des Weck’schen Erfolgs beschrieb Milberg so: „Es ist aus meiner Sicht die Balance zwischen Theorie und Praxis und zwischen Idee im Sinne von Erkenntnisgewinn und deren Umsetzung in ein nutzbares Produkt.

 
Mit dem Aachener Ingenieurpreis werden mit freundlicher Unterstützung des Vereins Deutscher Ingenieure VDI mit seinem Präsidenten Professor Dr. Udo Ungeheuer als Preisstifter Menschen geehrt, die mit ihrem Schaffen einen maßgeblichen Beitrag zur positiven Wahrnehmung oder Weiterentwicklung des Ingenieurwesens geleistet haben. Und das sind nicht zuletzt Ingenieure, die die nachwachsende Generation inspirieren, so wie dies die bisherigen Preisträger Berthold Leibinger, Gesellschafter der Trumpf GmbH + Co. KG, Franz F. Pischinger, Gründer der Aachener FEV Motorentechnik GmbH, und der Wissenschaftsastronaut Thomas Reiter machen.

 
Zur Person: Manfred Weck, am 20. November 1937 in Solingen geboren, steht für die Entwicklung des Maschinenbaus vom kräftezehrenden Handantrieb zur durchdringenden Digitalisierung. 1973 kam Weck nach einem Intermezzo in der Industrie zurück an das WZL in Aachen und wurde dort einer der Nachfolger von  Herwart Opitz. 2004 ging Manfred Weck in den Ruhestand, wobei er immer noch einmal pro Woche vor Ort erscheint in dem 2007 eröffneten „Manfred-Weck-Haus, das die Kollegen nach ihm benannt haben.  (Frank Fäller)