Gesellschaft

Glück auf, Schalke 04

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Auf Schalke: Fan Annegret Kaufmann, Exkapitän Heinz Pliska (mitte) und Sebastian Pantförder von S 04. © Frank Fäller

Egal in welches Fußballstadion man als Fan oder Gast kommt, es geht immer um Emotionen rund um das Leder und den Verein des Herzens. Im Revier und darüber hinaus klingt Schalke 04 wie eine Verheißung für den stetigen Wandel im Ruhrgebiet.  Die Zechen sind weg, die Stahlkocher sterben aus und die Glückauf-Kampfbahn ist der modernen Veltins Arena gewichen.  Der Gruß „Glück auf“ bleibt.

Vor mehr als 50 Jahren spielte Heinz Pliska engagiert Fußball. Zwischen 1965 und der Saison 1986/69 war der königsblaue Himmel auf Schalke groß. Einst 67 Tage Mannschaftsführer bei den blau-weißen Kickern, zwang eine Sportverletzung den Sportler in den 60er-Jahren zum Abschied aus der aktiven Karriere. Auf Schalke ist er immer willkommen. Fiebert mit seinem Verein. „Schon damals war die Hütte immer voll,  Jungs von hier kämpften um den Sieg“, erinnert sich Heinz Pliska, der die 100 Meter in 12,4 Sekunden sprinten konnte. Alle Achtung, man sieht es ihm heute noch an. Sein letztes Spiel hat er als 70-Jähriger Amateur im Tor absolviert:  „Unentschieden ist es ausgegangen“, lacht er. Damit kann er leben.

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Schalke 04 – Exkapitän Heinz Pliska Autogrammkarte. © Frank Fäller

Im Stadion: Beileibe ist Heinz Pliska nicht einer Meinung,  wenn er mit seiner Lebensgefährtin Annegret Kaufmann aus Witten ins Stadion kommt. Dortmund liegt näher, „doch mein Herz schlägt für Schalke“, sagt die resolute Dame. Wohin die Liebe fällt, nach Gelsenkirchen zum Heinz.  Und regt sich richtig auf, wenn die Mannschaft schlecht spielt. So muss Fußball live im Stadion sein. Heinz bleibt gelassen, analysiert das Spiel, sieht die Spielzüge, schaut auf die Zweikämpfe und ist auch nicht immer zufrieden. Am Ende kam mal ein Sieg heraus für S 04 heraus. Die Begegnung ist hier nicht so wichtig, vielmehr das Gefühl und Stimmung in der Veltins Arena.

Krawall wird aufmerksam unterbunden, für  Gäste im Hospitality-Bereich „Libuda – benannt nach dem großen Stand – eröffnen sich bildlich in Großformaten viele Geschichten, die der Fußball geschrieben hat.  Klaus Fischer, die Kremer-Zwillinge, Olaf Thon und viele mehr stehen bei S 04 bis heute für großen Sport. Fotostrecken zeugen von der Tradition, VIP-Räume und Eventcharakter zählen zum modernen Geschäft. Von der Currywurst bis zum Edelfisch mit Getränken bleiben keine Wünsche offen. Auf Schalke ist immer was los.

Trikots, Hosen und Haarschnitte ändern sich, wie die abnormen Kaufsummen für Spieler. Heinz Pliska hat Fußball gespielt, ist als Sportler ein Risiko eingegangen. Doch vor Verletzungen ist niemand gefeit. Genau das ist ihm passiert, eine Abduktoren Verletzung  konnte nicht  so auskuriert werden, dass es für den Profifußball noch gereicht hätte. Die aktive Laufbahn musste der einstige Kapitän im „besten Alter“ beenden. Heute hätte man vielleicht andere Möglichkeiten der medizinischen Behandlung gehabt.  „Das war bitter“, erzählt der 75-Jährige heute noch ein bisschen wehmütig, doch auch nachsichtig und altersmilde. Sein Verein stand ihm zur Seite. Der Sportverletzte konnte eine Stelle bei der Stadt Gelsenkirchen antreten.

„Ein Glück für mich“, sagt er heute und freut sich über ein erfülltes Leben mit seinem Sohn, seiner Tochter, den vier Enkelkinder und seiner Lebensgefährtin Annegret Kaufmann. Bei allen schlägt das Herz  natürlich für Schalke 04, „bei mir schon seit meiner Jugend“, sagt sie. Obwohl Bochum und Dortmund näher zu ihrer Heimatstadt liegen. Ein Sieg im Derby gegen den Nachbarn aus Dortmund macht hier wie dort alle glückselig. Das Ruhrgebiet, der einstige „Pott“ macht noch längst nicht alle Bewohner gleich. Es ist ein Unterschied, ob man etwa gebürtiger Gelsenkirchener, Bochumer, Essener, Duisburger, Dortmunder oder Wattenscheider ist. Gekickt wird immer. Mit Leidenschaft. Mal in der 1. Bundesliga oder nur noch auf dem Bolzplatz.

Ein Verein wird getragen von vielen Faktoren, wichtig sind ohne Frage die Zuschauer. In guten wie in schlechten Zeiten. Denn ohne ihre Spruchbänder, Schals, Vereinstrikots und lautstarke Unterstützung bleibt ein Stadion leer und seelenlos. Um diese Seele, um die Tradition mit den größten Erfolgen, Trainern und Spielern zu bewahren,  gibt es das Schalke Museum, seit 2005 direkt in der Arena zu besuchen. Sebastian Pantförder leitet dort die Abteilung Tradition. Der Dipl.-Betriebswirt  hat in seiner Abschlussarbeit die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Fußball-WM 2006 untersucht.

Er weiß also Bescheid, hält den Kontakt zwischen Spielern, Trainer, Fans und Ehemaligen für besonders wichtig. „Außer der Dauerausstellung, die rund 600 Exponate aus der bewegten Vereinsgeschichte zeigt,  präsentieren wir im Museum  auch immer wieder Sonderausstellungen rund um vereinshistorische Themen, wie beispielsweise den UEFA-Pokalsieg 1997 oder auch den 110. Geburtstag der Vereinslegende Ernst Kuzorra“, sagt Sebastian Pantförder.  Erinnerungen bleiben, der legendäre Schalker Kreisel habe einst den Grundstein für die bundesweite Popularität von Schalke 04 gelegt und den Mythos geschaffen.

Derzeit müssen die Schalker leiden. Annegret und Heinz waren kürzlich wieder Gäste in der Arena, als es für die Kicker im Spiel gegen Bayern München etwas auf die Mütze gab.  Die Bayern haben allerdings auch in der Millionärs-Klasse gerade einen Denkzettel  bekommen – man muss auch verlieren können. Sportler wissen das.  Auf Schalke heißt nach dem Spiel trotzdem: „Glück auf, Schalke 04!“